| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Der Verkehr nimmt ständig zu. In Baden-Württemberg
z.B. besitzt jeder Zweite ein Auto. Also rund 6 Millionen PKW sind
zugelassen. Mit der Zunahme des Verkehrs steigt auch die Konzentration
der Schadstoffe in der Luft. Dieselruß und Benzol welche zu 90 %
aus dem Verkehr stammen, greifen die Gesundheit an.
Was genau muss man sich denn unter Dieselruß vorstellen ? |
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| Günter Hubmann: |
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Das sind von der Verbrennung kleine Partikel,
die sind alle micro-groß. Und das ist auch eines der Probleme. An
denen hängen dann die verschiedenen chemischen Substanzen, die während
der Verbrennung vom Treibstoff entstehen. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Der Dieselruß entsteht - wo ? |
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| Günter Hubmann: |
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Der Dieselruß entsteht im Automotorzylinder
während der Verbrennung, und wird dann durch den Auspuff wie die
anderen Emissionen in die Luft getragen. Diese Partikel bilden sich
beim Direkteinspritzverfahren, welches beim Dieselmotor der Fakt
ist, und auch beim Direkteinspritzer Benziner, der derzeit von VW
als "FFI-Motor" dargestellt wird. Also diese Probleme entstehen
unter bestimmten Verbrennungsbedingungen, die bei Motoren auftreten,
die diese Technik haben, ob jetzt Dieselkraftstoff eingespritzt
wird oder Benzin ist da erst mal sekundär. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Für höhere Schadstoffe in der Luft
sorgen nicht nur die PKW´s, sondern auch die LKW´s. LKW´s produzieren
2 1/2 Mal so viel Stickoxide und fast 5 Mal soviel Dieselruß wie
alle in Deutschland angemeldeten PKW´s. Also rund 20 Tausend Tonnen
pro Jahr. Herr Hubmann, haben die Transportleistungen auf den Strassen
zugenommen ? |
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| Günter Hubmann: |
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Ja, die haben zugenommen, und sie werden
in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch einmal 65 bis 70 Prozent zunehmen,
wenn wir so weitermachen wie bisher - mit dem Konzept "as business
as usual". Das Gute an den Lastwagen ist, dass die EURO-Norm 4,
die im Jahre 2005 in Kraft treten wird, die Partickelemissionen
zumindestens an den Diesellastwagen wesentlich senken wird, wobei
dies bei PKW´s nicht der Fall ist. PKW´s die heute ein stark zunehmender
Anteil an Neuwagen sind, dürfen auch viele Jahre noch wesentlich
die Luft so belasten, was dann bei Lastwagen und Nutzfahrzeugen
wesentlich gemindert wird. Die Tatsache ist natürlich - die Flotte,
die auf der Strasse ist, da müsste der Gesetzgeber und die Nutzfahrzeugindustrie,
wie auch die Autoindustrie Nachrüstungs-Sets anbieten um diese Gefahren
zu mindern. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Der Dieselmotor wird ja in der Werbung
oft mit dem geringeren Verbrauch gelockt. Empfiehlt denn Greenpeace
den Dieselmotor ? |
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| Günter Hubmann: |
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Also wir empfehlen den Dieselmotor so,
wie er heute von den meisten Herstellern verkauft wird, nicht. Dieselruß
erzeugt - wie Sie schon angedeutet haben, in Deutschland allein
8000 Krebstote - das kann man nicht aufrechnen mit etwas anderem,
das ist ein verheerendes, unnötiges Problem.
Die Firma "Peugeot Citroen" in Frankreich, bietet seit 2 Jahren einen sogenannten Partickelfilter
an, der dieses Problem mindert, sodass Dieselfahrzeuge so giftig sind wie Benziner.
Aber alle Fahrzeuge, auch mit 3-Wege-Katalysator, emmitieren immer noch Gifte. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Die Grenzwerte von Benzol und Dieselruß
liegen derzeit bei 10, bzw. 8 Microgramm pro Kubikmeter. Kann man
diese Werte denn verantworten ? |
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| Günter Hubmann: |
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Diese Werte kann man von unserem Standpunkt
nicht verantworten. In der Gesellschaft ist ja die rede zwischen
Abwägung zwischen "Was man an Technik hat" und "Was man an Technik
dann den Menschen zumuten kann". Die Tatsache ist, diese Probleme
hätten schon seit Jahren relativ leicht durch technische Maßnahmen
wesentlich gemindert werden können.
Da hat sich weder die Autoindustrie, noch die Politik dafür eingesetzt, sodass
aus diesen Fahrzeugen noch ein rießiges Gefahrenpotential ausgeht. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Welche Rolle spielen denn die Lobbyisten
der Autoindustrie was die Grenzwerte angeht ? |
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| Günter Hubmann: |
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Die grenzwerte werden zum Teil von der
Autoindustrie mitbestimmt. Wir sind im Augenblick in einem Verfahren,
wo es um die Umsetzung einer EU-Richtlinie geht. Da hat das Wirtschaftsministerium
den Verband der Autoindustrie (VDA) beauftragt, eine EU-Richtlinie
in deutsches Recht umzusetzen. D.h., die Autoindustrie - wie auch
in anderen Branchen nehme ich an - bestimmt maßgeblich, was die
Werte sind. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Warum tut sich die Autoindustrie eigentlich
so schwer damit, Rußfilter zu entwickeln ? Man hört ja immer wieder,
es würde noch keine geben, oder es würde noch geforscht werden.
Daimler-Chrysler z.B. forscht nach eigenen Angaben schon seit den
Achtziger Jahren nach Filtern, die der EU 4 -Norm entsprechen. Kann
das eigentlich sein ? |
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| Günter Hubmann: |
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Zuerst einmal ist es richtig, dass sie
behaupten, sie würden immer noch forschen. Aber das war so, durch
die ganze Geschichte, die ich kenne in der Autoindustrie und dieser
Auseinandersetzung, als es um das bleifreie Benzin ging, gab es
die gleiche Verzögerung und die gleiche Leugnung, zum einen des
Problems, und zum anderen, das es Lösungen gibt, die auch noch bezahlbar
sind. Das ist das Gleiche wie bei dem 3-Wege-Katalysator. Da hat
die Autoindustrie Fahrzeuge nach Kalifornien geliefert, die diese
Technik hatten, hatten hier aber öffentlich über ihre Public Relations
und Werbung dem Deutschen Bürger Glauben gemacht, dass diese Technik
nicht zur Verfügung stünde, und dass sie auch nicht zu bezahlen
sei. Das Gleiche sehen wir jetzt wieder mit dem Partickelfilter.
Die französische Firma "Peugeot Citroen" bietet das an -
da dreht es sich um einen Mehrpreis von ca. 150 EURO, es ist also kein wesentlicher Eingriff
in die Wirtschaft, dass das Verhältnis zwischen dem Nutzen, d.h. der Minderung der Gefahren
nicht im Verhältnis stünde zu den wahrscheinlichen und wirklichen Kosten.
Und deshalb haben wir von Greenpeace auch im September letzten Jahres Strafanzeige gestellt gegen
die Autohersteller, und wir haben eine Klage eingereicht beim Kraftfahrtbundesamt, weil
sie sich nicht um dieses Problem kümmern - es aber müssten, wenn man wieder diese Abwägung macht
zwischen dem Gefahrenpotential im Verhältnis zu den Kosten. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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In einer Stellungnahme von Daimler-Chrysler
stand, dass der Rußfilter bei Peugeot tatsächlich die Schadstoffemission
mindert, das allerdings dadurch auch der Verbrauch steigen würde. |
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| Günter Hubmann: |
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Also die Hochrechnungen vom Bundesumweltamt
sind, dass es sich da um 2-3 Prozent Mehrverbrauch dreht, also nicht
eine wesentliche Änderung im Verbrauch. Aber man muss auch sagen,
so sehr uns auch die Klimadebatte am Herzen liegt, man kann doch
nicht sagen die nehmen in Kauf, dass im Jahr 8000 Menschen sterben
- alleine in Deutschland, nur weil es dann auf 100 Km gerade auf
ein Viertel Liter ankommt - das kann man doch nicht abwägen. Also
wir halten das für moralisch und ethisch nicht vertretbar. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Was für Lösungen gibt es denn nach
Greenpeace noch um die Schadstoffemission in einer Innenstadt zu
vermindern ? |
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| Günter Hubmann: |
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Also zum einen sollte man die Technik
die es heute schon gibt, umsetzen. Andererseits haben wir für die
Städte Verkehrskonzepte die auch dem Verkehrswachstum entsprechen,
und diese Strassenschluchten belebbar lassen. Selbst der Verkehr
vom Lastwagen alleine soll, wie schon gesagt, in den nächsten Jahren
um bis zu 67 Prozent zunehmen, der PKW um die 25 Prozent - je nachdem
welche Prognose man nimmt. Das heißt, es gibt keine einfachen Konzepte
mehr, man muss jetzt radikal umdenken: wie kann man das steuern,
kontrollieren - und wie kann man auch die Städte belebbar halten.
Für Fußgänger ist die Zunahme der Fahrzeuge ja auch ein Problem. Die Fußgängerwege werden immer
weiter zugeparkt. Jetzt sind auch noch die Inlineskater auf den Gehweg verbannt. Da wird es jetzt
auch irgendwann Stau geben -weil die Gehwege durch die Zunahme der Fahrzeuge enger werden,
sodass wir dann bald irgendwann im Dauerstau sind: Fußgänger, Fahrradfahrer, Inlineskater und Autos. |
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| Greenpeace-Radio Stuttgart: |
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Wir bedanken uns für das Gespräch. |
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